STATEMENT
Rüdiger Krenkel
Entstehungsansätze
Zentrales Element meiner Arbeiten ist Bewegung – die Bewegung meines Körpers in Übertragung auf das von ihm geführte Werkzeug, welches das Material formt.
Diese visualisiert sich in der Struktur und Formfindung meiner dreidimensionalen Objekte.
Ein kraftvoll dynamischer Bewegungsablauf mit einer sich rhythmisch wiederholenden Choreografie hinterlässt feine lichte Spuren im Raum, welche in ihrer Anordnung vegetabilen Formen nahekommen.
Vielleicht ist es im gewissen Sinne ein Nachempfinden organischer Wachstumszustände. Eine Suche, deren Dokumente immer wieder die Strukturen des gegenwärtigen Bewegungszustandes bzw. Entstehungsprozesses erleben lassen wollen. – Ein rhythmisches Pulsieren, dessen Linienstruktur gleichsam lichten Körper mit offenem Raum verschmelzen lässt.
Im eher klassischen bildhauerischen Ansatz arbeite ich überwiegend mit Stahl, Naturstein und Holz.
Über die Jahre reduzierten sich die Bearbeitungstechniken der drei Materialien.
Rundstahl bzw. Draht schneide und biege ich von Hand und baue sie mit geschweißten Verbindungen frei im Raum auf. – Naturstein überdecke ich mit formgebenden Spitzmeißel Furchen bzw. mittlerweile überwiegend mit Rillen, welche der Freihand geführte Winkelschleifer mit der Trennscheibe hinterlässt. – Holz bearbeite ich mit Sägeschnitten und dem Handbeil.
Inspiration oder Vorbild erlebe und beobachte ich in unendlich wiederkehrenden Naturkreisläufen bei Pflanzen, Insekten, Vögeln, Reptilien, Meeresbewohnern etc. – Blüten-, Samen- und Frucht-formen sowie Kristall-, Zell- oder DNA-Strukturen faszinieren mich.
Diese Faszination erlebe ich auch in manchen Situationen während dem Formen und Arbeiten an meinen Skulpturen und Plastiken.
Ein meditativer Zustand mit perkussiver Untermalung – sich unablässig immer wieder aufs Neue in die nächste gleiche oder fast gleiche, rhythmische Abfolge eines Bearbeitungsvorganges, den Meißel treibenden Hammerschlag, fallen zu lassen.
Diese organische Entstehungsdynamik erscheint mir denn auch als Antrieb, mich erneut in das verlockende Wagnis zu begeben, im Moment der Entstehung zu stecken.
Bögen, Linien, Höhlungen, Wölbungen, statische Strukturen und Geometrien, Labilität und leere Zwischenräume ordnen sich fließend, einer Logik folgend, zu ihrer zu entdeckenden Form.
Seit mehreren Jahren lebe und arbeite ich auf dem Gelände des historischen Klärwerkes auf Mannheims Friesenheimer Insel.
Ohne direkten Vorsatz haben sich in dieser Zeit meine künstlerischen Arbeiten mit dem unter Denkmalschutz stehenden Areal zu einer neuen, sich selbst erläuternden „Vielheit“ verbunden.
Die Formgebung der sich in vielen liebevollen Details wieder spiegelnden, historischen Anlagentechnik, wie bogenförmig geschwungene Stellradspeichen oder astförmige Trägerkonsolen, auf welcher die handkurbelbetriebene Antriebswelle zum Öffnen der Schleusentore gelagert ist und auch die grün glasierten Ziegelsteine, welche auf Zinnen, Türmchen und Fensterbänken der Gebäude verbaut wurden, stehen auf einmal in einem neuen Zusammenhang.
Seit Jahren hege, pflege und schütze ich Flora und Fauna auf dem Gelände.
Artenreichtum mit regelmäßigem Zuwachs entsteht zwischen verwilderten Dornen, Büschen und Hecken – Wildblumenwiese, großer Baumbestand und ein Biotop in den mit Regenwasser gefüllten ehemaligen Klärbecken, voller Frösche, Molche, Kröten, Libellen…
Eine Art Naturoase im Industriegebiet…
Durch dieses zusätzliche fantastische Entstehen von natürlichen Organismen begegne ich meiner Arbeit noch einmal ganz anders – ein lebendiges Gesamtkunstwerk.